135 Min., Regie & Buch: Lars von Trier, Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John), Charlotte Rampling (Gaby), John Hurt (Dexter), Alexander Skarsgård (Michael), Stellan Skarsgård (Jack), Brady Corbet (Tim), Udo Kier (Hochzeitsplaner), Auszeichnungen:Cannes 2011Beste Darstellerin: Kirsten Dunst.
*Am Beispiel zweier Schwestern, von denen eine melancholisch-depressiv, die andere sehr pragmatisch ist, entwirft Lars von Trier einen Abgesang auf die bürgerliche Welt, an dessen Ende der Weltuntergang steht. Der Film erzählt mit abstrakter Reduktion ausgerechnet anhand einer Hochzeitsfeier von existenzieller Leere und Verzweiflung, ohne eine Hoffnung auf Transzendenz oder Erlösung einzuräumen. Eine kunstsinnig verrätselte Reflexion über den Tod, die erst mit der apokalyptischen Wendung dem Blick auf die Charaktere eine gewisse Zärtlichkeit abgewinnt.
135 Min., Regie & Buch: Lars von Trier, Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John), Charlotte Rampling (Gaby), John Hurt (Dexter), Alexander Skarsgård (Michael), Stellan Skarsgård (Jack), Brady Corbet (Tim), Udo Kier (Hochzeitsplaner), Auszeichnungen:Cannes 2011Beste Darstellerin: Kirsten Dunst.
*Am Beispiel zweier Schwestern, von denen eine melancholisch-depressiv, die andere sehr pragmatisch ist, entwirft Lars von Trier einen Abgesang auf die bürgerliche Welt, an dessen Ende der Weltuntergang steht. Der Film erzählt mit abstrakter Reduktion ausgerechnet anhand einer Hochzeitsfeier von existenzieller Leere und Verzweiflung, ohne eine Hoffnung auf Transzendenz oder Erlösung einzuräumen. Eine kunstsinnig verrätselte Reflexion über den Tod, die erst mit der apokalyptischen Wendung dem Blick auf die Charaktere eine gewisse Zärtlichkeit abgewinnt.
135 Min., Regie & Buch: Lars von Trier, Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John), Charlotte Rampling (Gaby), John Hurt (Dexter), Alexander Skarsgård (Michael), Stellan Skarsgård (Jack), Brady Corbet (Tim), Udo Kier (Hochzeitsplaner), Auszeichnungen:Cannes 2011Beste Darstellerin: Kirsten Dunst.
*Am Beispiel zweier Schwestern, von denen eine melancholisch-depressiv, die andere sehr pragmatisch ist, entwirft Lars von Trier einen Abgesang auf die bürgerliche Welt, an dessen Ende der Weltuntergang steht. Der Film erzählt mit abstrakter Reduktion ausgerechnet anhand einer Hochzeitsfeier von existenzieller Leere und Verzweiflung, ohne eine Hoffnung auf Transzendenz oder Erlösung einzuräumen. Eine kunstsinnig verrätselte Reflexion über den Tod, die erst mit der apokalyptischen Wendung dem Blick auf die Charaktere eine gewisse Zärtlichkeit abgewinnt.
135 Min., Regie & Buch: Lars von Trier, Darsteller: Kirsten Dunst (Justine), Charlotte Gainsbourg (Claire), Kiefer Sutherland (John), Charlotte Rampling (Gaby), John Hurt (Dexter), Alexander Skarsgård (Michael), Stellan Skarsgård (Jack), Brady Corbet (Tim), Udo Kier (Hochzeitsplaner), Auszeichnungen:Cannes 2011Beste Darstellerin: Kirsten Dunst.
*Am Beispiel zweier Schwestern, von denen eine melancholisch-depressiv, die andere sehr pragmatisch ist, entwirft Lars von Trier einen Abgesang auf die bürgerliche Welt, an dessen Ende der Weltuntergang steht. Der Film erzählt mit abstrakter Reduktion ausgerechnet anhand einer Hochzeitsfeier von existenzieller Leere und Verzweiflung, ohne eine Hoffnung auf Transzendenz oder Erlösung einzuräumen. Eine kunstsinnig verrätselte Reflexion über den Tod, die erst mit der apokalyptischen Wendung dem Blick auf die Charaktere eine gewisse Zärtlichkeit abgewinnt.
Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow
Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens- Auszeichnungen: Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow.
»FAUST« Drama, Literaturverfilmung, Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow, Darsteller: Johannes Zeiler (Faust), Anton Adassinski (Geldverleiher), Isolda Dychauk (Margarete), Georg Friedrich (Wagner), Hanna Schygulla (Frau des Geldverleihers). Auszeichnungen:Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow. *Alexander Sokurow verwendet Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens, in der es um die moralische Verkommenheit des Menschen, die Stafette des Bösen und die Einsamkeit der von allen guten Geistern verlassenen Herrscherfiguren geht. Dafür löst er sich konsequent von der Theatervorlage: Der Pathologe Faust ist bei ihm weniger Wahrheitssucher und Seelenerforscher als ein von seiner wahnwitzigen Idee besessener Flaneur. Der atemlose, nur von wenigen Ruhemomenten unterbrochene Film spielt in einer deutschen Kleinstadt des Biedermeier, die zum Ausgangspunkt ewiger Einsamkeit und Verdammnis gerinnt.
voxxxpistols entertainment präsentiert: ambient meets postrock
Arms And Sleepers (USA) & Kerretta (Neuseeland/Golden Antenna Records) live
Einlass 20.30 Uhr, das erste Konzert (mit Filmprojektion) ist bestuhlt
DJ: Satan 4.0
Arms And Sleepers (USA) laut.de-Biografie
Max Lewis und Mizra Ramic kennen sich von Kindesbeinen an. Auf der High School gehen sich beide noch aus dem Weg, auf dem College kommt man sich über die Musik langsam näher.
Zunächst spielen sie in unterschiedlichen Bands in Cambridge, Massachusetts – Max an der Gitarre, Mizra am Klavier. 2006 formiert man sich dann zu Arms And Sleepers, wobei der Bandname auf einem Gründungsmythos beruht.
Entstanden soll die Band eines Nachts in einem Krankenwagen sein. Darin ein schwer blutender Mann mit Walkman, der Gospel-Musik lauscht. Der Mann stirbt, die Kassette fällt auf die Straße und die Musik, auch sie verstummt für immer.
Ob diese Geschichte sich nun wahrhaftig zugetragen hat oder erfunden ist, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls bekommt man so einen Zugang zur Musik von Arms And Sleepers, die Lewis selbst als "Ambient-Electronic-Soundtrack für einen traurigen Film" bezeichnet, schließlich bezieht man auch Inspiration von Almodóvar-Streifen wie "Volver" und "Sprich mit ihr".
Man könnte durchaus behaupten, dass der große Musiktheoretiker und Produzent Brian Eno mit seinem 1978er Album-Experiment "Ambient 1: Music For Airports" für Arms And Sleepers, aber auch geistesverwandte Acts wie Air, Styrofoam oder Boards of Canada, als Wegbereiter gelten kann. Schließlich bekennen sich gerade diese Bands in ihrem Sound zu den stimmungsvollen, elektronischen Pop-Panoramafahrten Enos.
Derart impressionistisch und malerisch geraten schon die ersten musikalischen Erzeugnisse von Arms And Sleepers. Weich programmierte Electronica und surrende Synthesizer werden bei Live-Shows mit zugehörigen Visuals noch deutlicher als auf den Tonaufnahmen von organischen Post-Rock-Gitarrenspuren, Jazz-Trompeten und Percussion-Sprengseln umspült.
Das Ergebnis ist eine Form von polarnaher Melancholie, die selbst Sigur Ros nach ihren pompösen Zirkusanwandlungen kaum noch verströmen.
Und noch etwas haben alle Veröffentlichungen des Duos gemeinsam: einen ganzheitlichen Anspruch von Musik und zugehöriger Verpackung als liebevolle Gesamtkunstwerke und exklusive Sammlerstücke. Seit 2006 haben Arms And Sleepers mehrere EPs herausgebracht.
Sie alle eine eint eine limitierte Stückzahl und selbst gestaltete handgemachte Verpackungen. Auch die Alben "Black Paris 86" und "Matador", die 2007 und 2009 erscheinen, werden in kleinen Auflagen in buntem, ja sogar goldenem Vinyl gepresst.
Für "Matador" haben sich Lewis und Ramic zudem Hilfe von Uzi & Ari und drei Bands aus der Bostoner Indie-Szene geholt, die dem Duo per Mail aufgenommene Gesangparts zuschickten, die dem Sound eine ganz neue, eher songorientierte Richtung geben.
So sind Arms And Sleepers, die nach eigenen Angaben ausgesprochen gerne durch Deutschland touren, auch für Fans von Morr-Indietronica, The Postal Service oder den Melancholikern von The Antlers zu empfehlen.
Kerretta (Neuseeland/Golden Antenna Records)
Das Instrumentalrocktrio Kerretta aus Neuseeland legt knapp ein Jahr nach dem Europadebüt “Vilayer”, das über Golden Antenna Records erschienen ist, den Nachfolger “Saansilo” nach. Was uns sehr freut, denn die drei von der anderen Ecke der Welt scheinen voller Ideen für rockige Kompositionen zu sein. Weder im Post-Rock noch im Metal anzusiedeln, aber irgendwo dazwischen.
“A Ways To Uprise” als Opener perfekt gewählt, hebt diese Vielfältigkeit besonders hervor. Ein Bass, der nicht nur als Rhythmuselement zu spüren, sondern neben der Gitarre als hörbares Hauptinstrument zu hören ist. Die Drums und Percussions mit einer trockenen Präzision und Tribalartigkeit, wie es sie nur aus der Neusseland- und Australienmusikszene zu hören gibt. Im Gegenzug zum Vorgänger sind auf Saansilo stärkere Elektronikeinflüsse wie bei “Bloodlines” vertreten. Hier verschmelzen Beats mit Orgelgewaber und echten Drums zu einer berauschenden Einheit, die mit anschließendem Percussiongewitter so richtig an Drive gewinnt. Experimentell und rockig vorantreibend zugleich. Kerretta haben Spass dabei, ihre Rhythmuswalzen aufzubauen. “By The Throats” dagegen setzt auf eine subtile Aggressivität, die dem Trio ebenfalls gut steht. Ende der ersten Seite, schnell die Platte drehen… “Shepherds Thread” nimmt wieder etwas Tempo raus und setzt auf ein Melodienduett von Elektronik und Gitarre. “Kept From The Brilliance Of The Outer World” ist mit seinem fetten, hervorgehobenen Bass fast schon eine Dubnummer, die sich aber nach der Hälfte in eine dynamische Rocknummer verwandelt. “Onyxia” mit viel Zeit zum Ideenausspielen ist das abschließende Statement der Platte.
Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow
Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens- Auszeichnungen: Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow.
»FAUST« Drama, Literaturverfilmung, Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow, Darsteller: Johannes Zeiler (Faust), Anton Adassinski (Geldverleiher), Isolda Dychauk (Margarete), Georg Friedrich (Wagner), Hanna Schygulla (Frau des Geldverleihers). Auszeichnungen:Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow. *Alexander Sokurow verwendet Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens, in der es um die moralische Verkommenheit des Menschen, die Stafette des Bösen und die Einsamkeit der von allen guten Geistern verlassenen Herrscherfiguren geht. Dafür löst er sich konsequent von der Theatervorlage: Der Pathologe Faust ist bei ihm weniger Wahrheitssucher und Seelenerforscher als ein von seiner wahnwitzigen Idee besessener Flaneur. Der atemlose, nur von wenigen Ruhemomenten unterbrochene Film spielt in einer deutschen Kleinstadt des Biedermeier, die zum Ausgangspunkt ewiger Einsamkeit und Verdammnis gerinnt.
Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow
Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens- Auszeichnungen: Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow.
»FAUST« Drama, Literaturverfilmung, Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow, Darsteller: Johannes Zeiler (Faust), Anton Adassinski (Geldverleiher), Isolda Dychauk (Margarete), Georg Friedrich (Wagner), Hanna Schygulla (Frau des Geldverleihers). Auszeichnungen:Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow. *Alexander Sokurow verwendet Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens, in der es um die moralische Verkommenheit des Menschen, die Stafette des Bösen und die Einsamkeit der von allen guten Geistern verlassenen Herrscherfiguren geht. Dafür löst er sich konsequent von der Theatervorlage: Der Pathologe Faust ist bei ihm weniger Wahrheitssucher und Seelenerforscher als ein von seiner wahnwitzigen Idee besessener Flaneur. Der atemlose, nur von wenigen Ruhemomenten unterbrochene Film spielt in einer deutschen Kleinstadt des Biedermeier, die zum Ausgangspunkt ewiger Einsamkeit und Verdammnis gerinnt.
Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow
Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens- Auszeichnungen: Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow.
»FAUST« Drama, Literaturverfilmung, Russland 2011, 134 Min., Regie: Alexander Sokurow, Darsteller: Johannes Zeiler (Faust), Anton Adassinski (Geldverleiher), Isolda Dychauk (Margarete), Georg Friedrich (Wagner), Hanna Schygulla (Frau des Geldverleihers). Auszeichnungen:Venedig 2011"Goldener Löwe": Alexander Sokurow. *Alexander Sokurow verwendet Goethes Stück für eine bildermächtige, sinfonisch strukturierte Reise ins Labyrinth des Verderbens, in der es um die moralische Verkommenheit des Menschen, die Stafette des Bösen und die Einsamkeit der von allen guten Geistern verlassenen Herrscherfiguren geht. Dafür löst er sich konsequent von der Theatervorlage: Der Pathologe Faust ist bei ihm weniger Wahrheitssucher und Seelenerforscher als ein von seiner wahnwitzigen Idee besessener Flaneur. Der atemlose, nur von wenigen Ruhemomenten unterbrochene Film spielt in einer deutschen Kleinstadt des Biedermeier, die zum Ausgangspunkt ewiger Einsamkeit und Verdammnis gerinnt.
106 Min., Regie: David Wnendt
Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet
Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Lukas Steltner (Markus), Uwe Preuss (Oliver), Winnie Böwe (Andrea), Rosa Enskat (Bea), Haymon Maria Buttinge (Clemens), Klaus Manchen (Großvater Franz). *Marisa ist Teil einer Jugendclique der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld. Sie sind schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht: ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. In diesem Sommer wird sich alles ändern. Erst bekommt Marisa Konkurrenz durch die 15-jährige Svenja, die neu in der Clique ist und Marisa gehörig auf die Nerven geht. Dann gerät sie mit zwei jungen Asylbewerbern aneinander, die in der Provinz gestrandet sind. Der Streit eskaliert, Marisa ist nicht zu bremsen. Damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die alles auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Sie beginnt, sich zu verändern, doch der Weg heraus aus der Szene wird härter als sie ahnt. Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet und sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren einlässt.
ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín
hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen
»Und dann der Regen - También la lluvia« Drama ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín, Darsteller: Gael García Bernal (Sebastián), Luis Tosar (Costa), Karra Elejalde (Antón / Cristóbal Colón), Raúl Arévalo (Juan / Antonio de Montesinos), Cassandra Ciangherotti (Maria). *Ein Filmteam dreht in Bolivien einen Film über die Ankunft von Christoph Kolumbus in der "neuen Welt". Die Rollen der "historischen" Indios werden mit indigenen Darstellern besetzt, die ihrerseits aber mit dem Widerstand gegen aktuelle Unterdrückungsmechanismen beschäftigt sind. Vor allem der Konflikt um die Nutzung des Regenwassers entwickelt sich zunehmend explosiv. Ein bildgewaltiges, vorzüglich gespieltes Drama, das im Rahmen einer klug konstruierten Film-im-Film-Geschichte auf mehreren Ebenen über vergangene und gegenwärtige Formen von Ausbeutung reflektiert.
Langkritik
„Tambien la lluvia“, „Sogar den Regen“, klagen im gleichnamigen Film von Icíar Bollaín die Bewohner des bolivianischen Cochabamba, „nehmen sie uns weg!“ Ihre Klage ist so bitter wie berechtigt: Dass Boliviens Wasserwerke ausländischen Investoren gehören und diese den Einheimischen verbieten, das vom Himmel fallende Nass in Tonnen aufzufangen, ist grotesk. So grotesk wie vieles in der globalisierten Welt, die Bollaín an den Pranger stellt. Zu Beginn erzählt die Regisseurin von etwas anderem: von einem spanischen Filmteam, das in Cochabamba auftaucht, um an „Originalschauplätzen“ einen Film über Christoph Kolumbus und die Frühzeit der Kolonialisierung zu drehen. Vor Ort werden die Rollen der Eingeborenen besetzt, und weil Regisseur Sebastían vor allem nach „Authentizität“ sucht, wählt er für die Rolle des widerständigen Indio-Häuptlings Hatuey einen Mann, der sich während des nicht ganz glücklich verlaufenden Castings aufmüpfig hervortut: Daniel Aduviri. Dann beginnt man mit dem Kulissenbau. Übt Texte und Rollen. Führt Kostüm-, Maske-, Sprech- und Stellproben durch, sitzt zwischendurch zusammen. Der Film vermittelt einen recht hübschen Eindruck vom fiebrigen Wahn, der Dreharbeiten bisweilen zu einem wahren Trip werden lässt. Zugleich ruft er bruchstückhaft in kurzen Spielszenen und Gesprächen die Ereignisse vor 500 Jahren in Erinnerung: die Ankunft der spanischen Eroberer, ihr Goldfieber, die ersten scheuen Kontakte mit den Eingeborenen, denen bald die harsche Unterdrückung folgt. Darin eingefügt ist die Geschichte von Bartolomé de las Casas, einem spanischen Dominikaner, der sich früh für die Rechte der Indios einsetzte. Obwohl Sebastían und sein Produzent Costa bisweilen mit kleinen, meist mentalitätsbedingten Hindernissen zu kämpfen haben – in einer eindrücklichen Szene weigern sich die zusammen mit ihren Kindern besetzten indigenen Frauen ihre Babys zu „ertränken“, obwohl dies historisch verbrieft ist –, kommt man mit den Dreharbeiten zügig voran und freut sich über die bilderprächtigen Rushes. Doch in Cochabamba geht der Kampf ums Wasser in eine neue Runde. Weil sich Daniel, der den widerständigen Hatuey großartig spielt, auch im wirklichen Leben mutig für sich und die Seinen einsetzt, steht er in diesem Wasserkampf an vorderster Front. Dies tut er noch, als Demonstranten, Polizei und Militär aneinander geraten, Schüsse fallen und sein Gesicht derart entstellt ist, dass man mit ihm kaum mehr drehen kann.
Geschickt verwebt Icíar Bollaín verschiedene Erzählstränge und Zeitebenen. Unvermittelt lässt sie koloniale Mythen, historische Ereignisse und heutige Auseinandersetzungen aufeinander prallen, wobei auch die politisch so korrekten und engagierten Filmemacher, die die einheimischen Statisten mit flotten zwei (!) Dollars pro Tag entschädigen, ihr Fett abbekommen. Die Inszenierung entwirft das facettenreiche, dichte Tableau sich über Jahrhunderte erstreckender sozialer Ungerechtigkeit. Ein hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama, das unter die Haut geht und sich bestens eignet, um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aufs Tablett zu bringen.
106 Min., Regie: David Wnendt
Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet
Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Lukas Steltner (Markus), Uwe Preuss (Oliver), Winnie Böwe (Andrea), Rosa Enskat (Bea), Haymon Maria Buttinge (Clemens), Klaus Manchen (Großvater Franz). *Marisa ist Teil einer Jugendclique der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld. Sie sind schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht: ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. In diesem Sommer wird sich alles ändern. Erst bekommt Marisa Konkurrenz durch die 15-jährige Svenja, die neu in der Clique ist und Marisa gehörig auf die Nerven geht. Dann gerät sie mit zwei jungen Asylbewerbern aneinander, die in der Provinz gestrandet sind. Der Streit eskaliert, Marisa ist nicht zu bremsen. Damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die alles auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Sie beginnt, sich zu verändern, doch der Weg heraus aus der Szene wird härter als sie ahnt. Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet und sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren einlässt.
ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín
hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen
»Und dann der Regen - También la lluvia« Drama ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín, Darsteller: Gael García Bernal (Sebastián), Luis Tosar (Costa), Karra Elejalde (Antón / Cristóbal Colón), Raúl Arévalo (Juan / Antonio de Montesinos), Cassandra Ciangherotti (Maria). *Ein Filmteam dreht in Bolivien einen Film über die Ankunft von Christoph Kolumbus in der "neuen Welt". Die Rollen der "historischen" Indios werden mit indigenen Darstellern besetzt, die ihrerseits aber mit dem Widerstand gegen aktuelle Unterdrückungsmechanismen beschäftigt sind. Vor allem der Konflikt um die Nutzung des Regenwassers entwickelt sich zunehmend explosiv. Ein bildgewaltiges, vorzüglich gespieltes Drama, das im Rahmen einer klug konstruierten Film-im-Film-Geschichte auf mehreren Ebenen über vergangene und gegenwärtige Formen von Ausbeutung reflektiert.
Langkritik
„Tambien la lluvia“, „Sogar den Regen“, klagen im gleichnamigen Film von Icíar Bollaín die Bewohner des bolivianischen Cochabamba, „nehmen sie uns weg!“ Ihre Klage ist so bitter wie berechtigt: Dass Boliviens Wasserwerke ausländischen Investoren gehören und diese den Einheimischen verbieten, das vom Himmel fallende Nass in Tonnen aufzufangen, ist grotesk. So grotesk wie vieles in der globalisierten Welt, die Bollaín an den Pranger stellt. Zu Beginn erzählt die Regisseurin von etwas anderem: von einem spanischen Filmteam, das in Cochabamba auftaucht, um an „Originalschauplätzen“ einen Film über Christoph Kolumbus und die Frühzeit der Kolonialisierung zu drehen. Vor Ort werden die Rollen der Eingeborenen besetzt, und weil Regisseur Sebastían vor allem nach „Authentizität“ sucht, wählt er für die Rolle des widerständigen Indio-Häuptlings Hatuey einen Mann, der sich während des nicht ganz glücklich verlaufenden Castings aufmüpfig hervortut: Daniel Aduviri. Dann beginnt man mit dem Kulissenbau. Übt Texte und Rollen. Führt Kostüm-, Maske-, Sprech- und Stellproben durch, sitzt zwischendurch zusammen. Der Film vermittelt einen recht hübschen Eindruck vom fiebrigen Wahn, der Dreharbeiten bisweilen zu einem wahren Trip werden lässt. Zugleich ruft er bruchstückhaft in kurzen Spielszenen und Gesprächen die Ereignisse vor 500 Jahren in Erinnerung: die Ankunft der spanischen Eroberer, ihr Goldfieber, die ersten scheuen Kontakte mit den Eingeborenen, denen bald die harsche Unterdrückung folgt. Darin eingefügt ist die Geschichte von Bartolomé de las Casas, einem spanischen Dominikaner, der sich früh für die Rechte der Indios einsetzte. Obwohl Sebastían und sein Produzent Costa bisweilen mit kleinen, meist mentalitätsbedingten Hindernissen zu kämpfen haben – in einer eindrücklichen Szene weigern sich die zusammen mit ihren Kindern besetzten indigenen Frauen ihre Babys zu „ertränken“, obwohl dies historisch verbrieft ist –, kommt man mit den Dreharbeiten zügig voran und freut sich über die bilderprächtigen Rushes. Doch in Cochabamba geht der Kampf ums Wasser in eine neue Runde. Weil sich Daniel, der den widerständigen Hatuey großartig spielt, auch im wirklichen Leben mutig für sich und die Seinen einsetzt, steht er in diesem Wasserkampf an vorderster Front. Dies tut er noch, als Demonstranten, Polizei und Militär aneinander geraten, Schüsse fallen und sein Gesicht derart entstellt ist, dass man mit ihm kaum mehr drehen kann.
Geschickt verwebt Icíar Bollaín verschiedene Erzählstränge und Zeitebenen. Unvermittelt lässt sie koloniale Mythen, historische Ereignisse und heutige Auseinandersetzungen aufeinander prallen, wobei auch die politisch so korrekten und engagierten Filmemacher, die die einheimischen Statisten mit flotten zwei (!) Dollars pro Tag entschädigen, ihr Fett abbekommen. Die Inszenierung entwirft das facettenreiche, dichte Tableau sich über Jahrhunderte erstreckender sozialer Ungerechtigkeit. Ein hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama, das unter die Haut geht und sich bestens eignet, um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aufs Tablett zu bringen.
106 Min., Regie: David Wnendt
Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet
Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Lukas Steltner (Markus), Uwe Preuss (Oliver), Winnie Böwe (Andrea), Rosa Enskat (Bea), Haymon Maria Buttinge (Clemens), Klaus Manchen (Großvater Franz). *Marisa ist Teil einer Jugendclique der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld. Sie sind schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht: ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. In diesem Sommer wird sich alles ändern. Erst bekommt Marisa Konkurrenz durch die 15-jährige Svenja, die neu in der Clique ist und Marisa gehörig auf die Nerven geht. Dann gerät sie mit zwei jungen Asylbewerbern aneinander, die in der Provinz gestrandet sind. Der Streit eskaliert, Marisa ist nicht zu bremsen. Damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die alles auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Sie beginnt, sich zu verändern, doch der Weg heraus aus der Szene wird härter als sie ahnt. Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet und sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren einlässt.
ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín
hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen
»Und dann der Regen - También la lluvia« Drama ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín, Darsteller: Gael García Bernal (Sebastián), Luis Tosar (Costa), Karra Elejalde (Antón / Cristóbal Colón), Raúl Arévalo (Juan / Antonio de Montesinos), Cassandra Ciangherotti (Maria). *Ein Filmteam dreht in Bolivien einen Film über die Ankunft von Christoph Kolumbus in der "neuen Welt". Die Rollen der "historischen" Indios werden mit indigenen Darstellern besetzt, die ihrerseits aber mit dem Widerstand gegen aktuelle Unterdrückungsmechanismen beschäftigt sind. Vor allem der Konflikt um die Nutzung des Regenwassers entwickelt sich zunehmend explosiv. Ein bildgewaltiges, vorzüglich gespieltes Drama, das im Rahmen einer klug konstruierten Film-im-Film-Geschichte auf mehreren Ebenen über vergangene und gegenwärtige Formen von Ausbeutung reflektiert.
Langkritik
„Tambien la lluvia“, „Sogar den Regen“, klagen im gleichnamigen Film von Icíar Bollaín die Bewohner des bolivianischen Cochabamba, „nehmen sie uns weg!“ Ihre Klage ist so bitter wie berechtigt: Dass Boliviens Wasserwerke ausländischen Investoren gehören und diese den Einheimischen verbieten, das vom Himmel fallende Nass in Tonnen aufzufangen, ist grotesk. So grotesk wie vieles in der globalisierten Welt, die Bollaín an den Pranger stellt. Zu Beginn erzählt die Regisseurin von etwas anderem: von einem spanischen Filmteam, das in Cochabamba auftaucht, um an „Originalschauplätzen“ einen Film über Christoph Kolumbus und die Frühzeit der Kolonialisierung zu drehen. Vor Ort werden die Rollen der Eingeborenen besetzt, und weil Regisseur Sebastían vor allem nach „Authentizität“ sucht, wählt er für die Rolle des widerständigen Indio-Häuptlings Hatuey einen Mann, der sich während des nicht ganz glücklich verlaufenden Castings aufmüpfig hervortut: Daniel Aduviri. Dann beginnt man mit dem Kulissenbau. Übt Texte und Rollen. Führt Kostüm-, Maske-, Sprech- und Stellproben durch, sitzt zwischendurch zusammen. Der Film vermittelt einen recht hübschen Eindruck vom fiebrigen Wahn, der Dreharbeiten bisweilen zu einem wahren Trip werden lässt. Zugleich ruft er bruchstückhaft in kurzen Spielszenen und Gesprächen die Ereignisse vor 500 Jahren in Erinnerung: die Ankunft der spanischen Eroberer, ihr Goldfieber, die ersten scheuen Kontakte mit den Eingeborenen, denen bald die harsche Unterdrückung folgt. Darin eingefügt ist die Geschichte von Bartolomé de las Casas, einem spanischen Dominikaner, der sich früh für die Rechte der Indios einsetzte. Obwohl Sebastían und sein Produzent Costa bisweilen mit kleinen, meist mentalitätsbedingten Hindernissen zu kämpfen haben – in einer eindrücklichen Szene weigern sich die zusammen mit ihren Kindern besetzten indigenen Frauen ihre Babys zu „ertränken“, obwohl dies historisch verbrieft ist –, kommt man mit den Dreharbeiten zügig voran und freut sich über die bilderprächtigen Rushes. Doch in Cochabamba geht der Kampf ums Wasser in eine neue Runde. Weil sich Daniel, der den widerständigen Hatuey großartig spielt, auch im wirklichen Leben mutig für sich und die Seinen einsetzt, steht er in diesem Wasserkampf an vorderster Front. Dies tut er noch, als Demonstranten, Polizei und Militär aneinander geraten, Schüsse fallen und sein Gesicht derart entstellt ist, dass man mit ihm kaum mehr drehen kann.
Geschickt verwebt Icíar Bollaín verschiedene Erzählstränge und Zeitebenen. Unvermittelt lässt sie koloniale Mythen, historische Ereignisse und heutige Auseinandersetzungen aufeinander prallen, wobei auch die politisch so korrekten und engagierten Filmemacher, die die einheimischen Statisten mit flotten zwei (!) Dollars pro Tag entschädigen, ihr Fett abbekommen. Die Inszenierung entwirft das facettenreiche, dichte Tableau sich über Jahrhunderte erstreckender sozialer Ungerechtigkeit. Ein hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama, das unter die Haut geht und sich bestens eignet, um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aufs Tablett zu bringen.
106 Min., Regie: David Wnendt
Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet
Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Lukas Steltner (Markus), Uwe Preuss (Oliver), Winnie Böwe (Andrea), Rosa Enskat (Bea), Haymon Maria Buttinge (Clemens), Klaus Manchen (Großvater Franz). *Marisa ist Teil einer Jugendclique der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld. Sie sind schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht: ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. In diesem Sommer wird sich alles ändern. Erst bekommt Marisa Konkurrenz durch die 15-jährige Svenja, die neu in der Clique ist und Marisa gehörig auf die Nerven geht. Dann gerät sie mit zwei jungen Asylbewerbern aneinander, die in der Provinz gestrandet sind. Der Streit eskaliert, Marisa ist nicht zu bremsen. Damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die alles auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Sie beginnt, sich zu verändern, doch der Weg heraus aus der Szene wird härter als sie ahnt. Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet und sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren einlässt.
ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín
hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen
»Und dann der Regen - También la lluvia« Drama ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín, Darsteller: Gael García Bernal (Sebastián), Luis Tosar (Costa), Karra Elejalde (Antón / Cristóbal Colón), Raúl Arévalo (Juan / Antonio de Montesinos), Cassandra Ciangherotti (Maria). *Ein Filmteam dreht in Bolivien einen Film über die Ankunft von Christoph Kolumbus in der "neuen Welt". Die Rollen der "historischen" Indios werden mit indigenen Darstellern besetzt, die ihrerseits aber mit dem Widerstand gegen aktuelle Unterdrückungsmechanismen beschäftigt sind. Vor allem der Konflikt um die Nutzung des Regenwassers entwickelt sich zunehmend explosiv. Ein bildgewaltiges, vorzüglich gespieltes Drama, das im Rahmen einer klug konstruierten Film-im-Film-Geschichte auf mehreren Ebenen über vergangene und gegenwärtige Formen von Ausbeutung reflektiert.
Langkritik
„Tambien la lluvia“, „Sogar den Regen“, klagen im gleichnamigen Film von Icíar Bollaín die Bewohner des bolivianischen Cochabamba, „nehmen sie uns weg!“ Ihre Klage ist so bitter wie berechtigt: Dass Boliviens Wasserwerke ausländischen Investoren gehören und diese den Einheimischen verbieten, das vom Himmel fallende Nass in Tonnen aufzufangen, ist grotesk. So grotesk wie vieles in der globalisierten Welt, die Bollaín an den Pranger stellt. Zu Beginn erzählt die Regisseurin von etwas anderem: von einem spanischen Filmteam, das in Cochabamba auftaucht, um an „Originalschauplätzen“ einen Film über Christoph Kolumbus und die Frühzeit der Kolonialisierung zu drehen. Vor Ort werden die Rollen der Eingeborenen besetzt, und weil Regisseur Sebastían vor allem nach „Authentizität“ sucht, wählt er für die Rolle des widerständigen Indio-Häuptlings Hatuey einen Mann, der sich während des nicht ganz glücklich verlaufenden Castings aufmüpfig hervortut: Daniel Aduviri. Dann beginnt man mit dem Kulissenbau. Übt Texte und Rollen. Führt Kostüm-, Maske-, Sprech- und Stellproben durch, sitzt zwischendurch zusammen. Der Film vermittelt einen recht hübschen Eindruck vom fiebrigen Wahn, der Dreharbeiten bisweilen zu einem wahren Trip werden lässt. Zugleich ruft er bruchstückhaft in kurzen Spielszenen und Gesprächen die Ereignisse vor 500 Jahren in Erinnerung: die Ankunft der spanischen Eroberer, ihr Goldfieber, die ersten scheuen Kontakte mit den Eingeborenen, denen bald die harsche Unterdrückung folgt. Darin eingefügt ist die Geschichte von Bartolomé de las Casas, einem spanischen Dominikaner, der sich früh für die Rechte der Indios einsetzte. Obwohl Sebastían und sein Produzent Costa bisweilen mit kleinen, meist mentalitätsbedingten Hindernissen zu kämpfen haben – in einer eindrücklichen Szene weigern sich die zusammen mit ihren Kindern besetzten indigenen Frauen ihre Babys zu „ertränken“, obwohl dies historisch verbrieft ist –, kommt man mit den Dreharbeiten zügig voran und freut sich über die bilderprächtigen Rushes. Doch in Cochabamba geht der Kampf ums Wasser in eine neue Runde. Weil sich Daniel, der den widerständigen Hatuey großartig spielt, auch im wirklichen Leben mutig für sich und die Seinen einsetzt, steht er in diesem Wasserkampf an vorderster Front. Dies tut er noch, als Demonstranten, Polizei und Militär aneinander geraten, Schüsse fallen und sein Gesicht derart entstellt ist, dass man mit ihm kaum mehr drehen kann.
Geschickt verwebt Icíar Bollaín verschiedene Erzählstränge und Zeitebenen. Unvermittelt lässt sie koloniale Mythen, historische Ereignisse und heutige Auseinandersetzungen aufeinander prallen, wobei auch die politisch so korrekten und engagierten Filmemacher, die die einheimischen Statisten mit flotten zwei (!) Dollars pro Tag entschädigen, ihr Fett abbekommen. Die Inszenierung entwirft das facettenreiche, dichte Tableau sich über Jahrhunderte erstreckender sozialer Ungerechtigkeit. Ein hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama, das unter die Haut geht und sich bestens eignet, um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aufs Tablett zu bringen.
106 Min., Regie: David Wnendt
Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet
Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Lukas Steltner (Markus), Uwe Preuss (Oliver), Winnie Böwe (Andrea), Rosa Enskat (Bea), Haymon Maria Buttinge (Clemens), Klaus Manchen (Großvater Franz). *Marisa ist Teil einer Jugendclique der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld. Sie sind schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht: ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. In diesem Sommer wird sich alles ändern. Erst bekommt Marisa Konkurrenz durch die 15-jährige Svenja, die neu in der Clique ist und Marisa gehörig auf die Nerven geht. Dann gerät sie mit zwei jungen Asylbewerbern aneinander, die in der Provinz gestrandet sind. Der Streit eskaliert, Marisa ist nicht zu bremsen. Damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die alles auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Sie beginnt, sich zu verändern, doch der Weg heraus aus der Szene wird härter als sie ahnt. Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet und sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren einlässt.
ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín
hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen
»Und dann der Regen - También la lluvia« Drama ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín, Darsteller: Gael García Bernal (Sebastián), Luis Tosar (Costa), Karra Elejalde (Antón / Cristóbal Colón), Raúl Arévalo (Juan / Antonio de Montesinos), Cassandra Ciangherotti (Maria). *Ein Filmteam dreht in Bolivien einen Film über die Ankunft von Christoph Kolumbus in der "neuen Welt". Die Rollen der "historischen" Indios werden mit indigenen Darstellern besetzt, die ihrerseits aber mit dem Widerstand gegen aktuelle Unterdrückungsmechanismen beschäftigt sind. Vor allem der Konflikt um die Nutzung des Regenwassers entwickelt sich zunehmend explosiv. Ein bildgewaltiges, vorzüglich gespieltes Drama, das im Rahmen einer klug konstruierten Film-im-Film-Geschichte auf mehreren Ebenen über vergangene und gegenwärtige Formen von Ausbeutung reflektiert.
Langkritik
„Tambien la lluvia“, „Sogar den Regen“, klagen im gleichnamigen Film von Icíar Bollaín die Bewohner des bolivianischen Cochabamba, „nehmen sie uns weg!“ Ihre Klage ist so bitter wie berechtigt: Dass Boliviens Wasserwerke ausländischen Investoren gehören und diese den Einheimischen verbieten, das vom Himmel fallende Nass in Tonnen aufzufangen, ist grotesk. So grotesk wie vieles in der globalisierten Welt, die Bollaín an den Pranger stellt. Zu Beginn erzählt die Regisseurin von etwas anderem: von einem spanischen Filmteam, das in Cochabamba auftaucht, um an „Originalschauplätzen“ einen Film über Christoph Kolumbus und die Frühzeit der Kolonialisierung zu drehen. Vor Ort werden die Rollen der Eingeborenen besetzt, und weil Regisseur Sebastían vor allem nach „Authentizität“ sucht, wählt er für die Rolle des widerständigen Indio-Häuptlings Hatuey einen Mann, der sich während des nicht ganz glücklich verlaufenden Castings aufmüpfig hervortut: Daniel Aduviri. Dann beginnt man mit dem Kulissenbau. Übt Texte und Rollen. Führt Kostüm-, Maske-, Sprech- und Stellproben durch, sitzt zwischendurch zusammen. Der Film vermittelt einen recht hübschen Eindruck vom fiebrigen Wahn, der Dreharbeiten bisweilen zu einem wahren Trip werden lässt. Zugleich ruft er bruchstückhaft in kurzen Spielszenen und Gesprächen die Ereignisse vor 500 Jahren in Erinnerung: die Ankunft der spanischen Eroberer, ihr Goldfieber, die ersten scheuen Kontakte mit den Eingeborenen, denen bald die harsche Unterdrückung folgt. Darin eingefügt ist die Geschichte von Bartolomé de las Casas, einem spanischen Dominikaner, der sich früh für die Rechte der Indios einsetzte. Obwohl Sebastían und sein Produzent Costa bisweilen mit kleinen, meist mentalitätsbedingten Hindernissen zu kämpfen haben – in einer eindrücklichen Szene weigern sich die zusammen mit ihren Kindern besetzten indigenen Frauen ihre Babys zu „ertränken“, obwohl dies historisch verbrieft ist –, kommt man mit den Dreharbeiten zügig voran und freut sich über die bilderprächtigen Rushes. Doch in Cochabamba geht der Kampf ums Wasser in eine neue Runde. Weil sich Daniel, der den widerständigen Hatuey großartig spielt, auch im wirklichen Leben mutig für sich und die Seinen einsetzt, steht er in diesem Wasserkampf an vorderster Front. Dies tut er noch, als Demonstranten, Polizei und Militär aneinander geraten, Schüsse fallen und sein Gesicht derart entstellt ist, dass man mit ihm kaum mehr drehen kann.
Geschickt verwebt Icíar Bollaín verschiedene Erzählstränge und Zeitebenen. Unvermittelt lässt sie koloniale Mythen, historische Ereignisse und heutige Auseinandersetzungen aufeinander prallen, wobei auch die politisch so korrekten und engagierten Filmemacher, die die einheimischen Statisten mit flotten zwei (!) Dollars pro Tag entschädigen, ihr Fett abbekommen. Die Inszenierung entwirft das facettenreiche, dichte Tableau sich über Jahrhunderte erstreckender sozialer Ungerechtigkeit. Ein hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama, das unter die Haut geht und sich bestens eignet, um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aufs Tablett zu bringen.
106 Min., Regie: David Wnendt
Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet
Darsteller: Alina Levshin (Marisa), Jella Haase (Svenja), Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul), Gerdy Zint (Sandro), Lukas Steltner (Markus), Uwe Preuss (Oliver), Winnie Böwe (Andrea), Rosa Enskat (Bea), Haymon Maria Buttinge (Clemens), Klaus Manchen (Großvater Franz). *Marisa ist Teil einer Jugendclique der rechtsextremen Szene in einer ostdeutschen Kleinstadt. Auf ihrer Schulter hat sie "Skingirl" tätowiert, vorne ein Hakenkreuz. Marisa schlägt zu, wenn ihr jemand dumm kommt. Sie hasst Ausländer, Schwarze, Politiker, Juden und die Polizei. In Marisas Augen sind sie alle schuld. Sie sind schuld daran, dass ihr Freund im Knast sitzt und alles um sie herum den Bach runter geht: ihr Leben, ihre Stadt, das Land und die ganze Welt. In diesem Sommer wird sich alles ändern. Erst bekommt Marisa Konkurrenz durch die 15-jährige Svenja, die neu in der Clique ist und Marisa gehörig auf die Nerven geht. Dann gerät sie mit zwei jungen Asylbewerbern aneinander, die in der Provinz gestrandet sind. Der Streit eskaliert, Marisa ist nicht zu bremsen. Damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die alles auf den Kopf stellt. Während Svenja immer tiefer in die rechte Szene rutscht, gerät Marisas Weltbild ins Wanken. Sie beginnt, sich zu verändern, doch der Weg heraus aus der Szene wird härter als sie ahnt. Spannend und intensiv erzählter, gut recherchierter Debütfilm, der abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland zeichnet und sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren einlässt.
ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín
hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen
»Und dann der Regen - También la lluvia« Drama ES/F/Mexiko 2010, 103 Min., Regie: Icíar Bollaín, Darsteller: Gael García Bernal (Sebastián), Luis Tosar (Costa), Karra Elejalde (Antón / Cristóbal Colón), Raúl Arévalo (Juan / Antonio de Montesinos), Cassandra Ciangherotti (Maria). *Ein Filmteam dreht in Bolivien einen Film über die Ankunft von Christoph Kolumbus in der "neuen Welt". Die Rollen der "historischen" Indios werden mit indigenen Darstellern besetzt, die ihrerseits aber mit dem Widerstand gegen aktuelle Unterdrückungsmechanismen beschäftigt sind. Vor allem der Konflikt um die Nutzung des Regenwassers entwickelt sich zunehmend explosiv. Ein bildgewaltiges, vorzüglich gespieltes Drama, das im Rahmen einer klug konstruierten Film-im-Film-Geschichte auf mehreren Ebenen über vergangene und gegenwärtige Formen von Ausbeutung reflektiert.
Langkritik
„Tambien la lluvia“, „Sogar den Regen“, klagen im gleichnamigen Film von Icíar Bollaín die Bewohner des bolivianischen Cochabamba, „nehmen sie uns weg!“ Ihre Klage ist so bitter wie berechtigt: Dass Boliviens Wasserwerke ausländischen Investoren gehören und diese den Einheimischen verbieten, das vom Himmel fallende Nass in Tonnen aufzufangen, ist grotesk. So grotesk wie vieles in der globalisierten Welt, die Bollaín an den Pranger stellt. Zu Beginn erzählt die Regisseurin von etwas anderem: von einem spanischen Filmteam, das in Cochabamba auftaucht, um an „Originalschauplätzen“ einen Film über Christoph Kolumbus und die Frühzeit der Kolonialisierung zu drehen. Vor Ort werden die Rollen der Eingeborenen besetzt, und weil Regisseur Sebastían vor allem nach „Authentizität“ sucht, wählt er für die Rolle des widerständigen Indio-Häuptlings Hatuey einen Mann, der sich während des nicht ganz glücklich verlaufenden Castings aufmüpfig hervortut: Daniel Aduviri. Dann beginnt man mit dem Kulissenbau. Übt Texte und Rollen. Führt Kostüm-, Maske-, Sprech- und Stellproben durch, sitzt zwischendurch zusammen. Der Film vermittelt einen recht hübschen Eindruck vom fiebrigen Wahn, der Dreharbeiten bisweilen zu einem wahren Trip werden lässt. Zugleich ruft er bruchstückhaft in kurzen Spielszenen und Gesprächen die Ereignisse vor 500 Jahren in Erinnerung: die Ankunft der spanischen Eroberer, ihr Goldfieber, die ersten scheuen Kontakte mit den Eingeborenen, denen bald die harsche Unterdrückung folgt. Darin eingefügt ist die Geschichte von Bartolomé de las Casas, einem spanischen Dominikaner, der sich früh für die Rechte der Indios einsetzte. Obwohl Sebastían und sein Produzent Costa bisweilen mit kleinen, meist mentalitätsbedingten Hindernissen zu kämpfen haben – in einer eindrücklichen Szene weigern sich die zusammen mit ihren Kindern besetzten indigenen Frauen ihre Babys zu „ertränken“, obwohl dies historisch verbrieft ist –, kommt man mit den Dreharbeiten zügig voran und freut sich über die bilderprächtigen Rushes. Doch in Cochabamba geht der Kampf ums Wasser in eine neue Runde. Weil sich Daniel, der den widerständigen Hatuey großartig spielt, auch im wirklichen Leben mutig für sich und die Seinen einsetzt, steht er in diesem Wasserkampf an vorderster Front. Dies tut er noch, als Demonstranten, Polizei und Militär aneinander geraten, Schüsse fallen und sein Gesicht derart entstellt ist, dass man mit ihm kaum mehr drehen kann.
Geschickt verwebt Icíar Bollaín verschiedene Erzählstränge und Zeitebenen. Unvermittelt lässt sie koloniale Mythen, historische Ereignisse und heutige Auseinandersetzungen aufeinander prallen, wobei auch die politisch so korrekten und engagierten Filmemacher, die die einheimischen Statisten mit flotten zwei (!) Dollars pro Tag entschädigen, ihr Fett abbekommen. Die Inszenierung entwirft das facettenreiche, dichte Tableau sich über Jahrhunderte erstreckender sozialer Ungerechtigkeit. Ein hochkarätig besetztes, grandios gespieltes, bildgewaltig fotografiertes, emotional berührendes und packend erzähltes Drama, das unter die Haut geht und sich bestens eignet, um Themen wie Imperialismus, Christianisierung, Kolonialisierung sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen aufs Tablett zu bringen.



